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19 | 05 | 2012
Erinnerung an das Paul-Schneider-Haus PDF Drucken E-Mail

Erinnerung an das Paul-Schneider-Haus in Dortmund-Menglinghausen

Im 1960 geschaffenen 2. Pfarrbezirk der damaligen Evangelischen Kirchengemeinde Eichlinghofen (jetziger 4. Pfarrbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Dortmund-Südwest) stand in Menglinghausen, Am Rüggen, das Paul-Schneider-Haus.

Es wurde am 19.11.1967 als Predigtstätte und Gemeindehaus für die Vororte Menglinghausen und Persebeck durch Präses D. Ernst Wilm eingeweiht.

Das Paul-Schneider-Haus war über Jahrzehnte das Zuhause für zahlreiche Kinder- und Jugendgruppen, Frauenhilfe und andere Gemeindekreise. Die Gemeinde, die sich hier fast vier Jahrzehnte versammelt hat, blieb stets eng mit dem Namen des Pfarrers Paul Schneider und dessen vorgelebten Glaubenszeugnis verbunden.

Lebensdaten Paul Schneiders:

29. August 1897

 Geburt in Pferdsfeld/Hunsrück
Eltern: Pfarrerehepaar Gustav-Adolf und Elisabeth Schneider.
1910 Umzug der Familie nach Hochelheim / Hessen.
1914 August – Beginn des 1. Weltkriegs. Tod der Mutter.
1915 Kriegsfreiwilliger.
1919 ff Studium der Theologie in Gießen, Marburg, Tübingen.
1920 Begegnung mit Margarete Dieterich in Weilheim bei Tübingen.
1922

 1. Theologisches Staatsexamen. Arbeit am Hochofen in Hörde bei Dortmund.
Verlobung mit Margarete Dieterich. Besuch des Predigerseminars Soest
1923 2. Theologisches Staatsexamen.
1925 Ordination in Hochelheim
1926 Tod des Vaters. Pfarrer in Hochelheim.
1934

 Versetzung nach Dickenschied / Womrath auf den Hunsrück durch das Konsistorium auf Betreiben der NSDAP.
Erste Schutzhaft in Simmern.
1935 Zweite Schutzhaft in Kirchberg.
1937 Dritte Schutzhaft in Koblenz. Ablehnung der von politischer Seite verfügten Ausweisung aus dem Rheinland.
3. Oktober

 Vierte Schutzhaft in Koblenz nach der Rückkehr nach Dickenschied.
Einlieferung in das KZ Buchenwald bei Weimar.
18. Juli 1939 Ermordung in Buchenwald.
21. Juli Beerdigung in Dickenschied.

Während seines Martyriums hat Paul Schneider vielen Mithäftlingen beigestanden. Auch hat er u. a. die Hakenkreuzfahne nicht gegrüßt, hat aus seinem Zellenfenster Bibelsprüche über den Appellplatz gerufen. Er hat vielen Häftlingen hierdurch Mut zugesprochen. Jedes Mal wurde er dafür grausam bestraft. Für den Fall einer Entlassung aus dem KZ würde er den ersten Bordstein Weimars als Kanzel benutzt haben, um seine Peiniger und die seiner Mithäftlinge des Massenmordes anzuklagen. Paul Schneider ist wegen seiner Glaubensfestigkeit und –treue und für sein konsequentes Eintreten für die vom Nazi-Regime Verfolgten in die (Kirchen-) Geschichte als „Prediger von Buchenwald“ eingegangen.

Der letzte reguläre Gottesdienst in unserem Paul-Schneider-Haus fand am 24. Dezember 2006 statt. Am 20. Mai 2007 wurde das Haus in einem bewegenden Gottesdienst entwidmet. Für viele Gemeindeglieder ist es Verpflichtung, die Erinnerung an das Glaubensvorbild Paul Schneider wach zu halten. Zur Witwe Paul Schneiders, Frau Margarete Schneider (8.1.1904 – 27.12.2002), haben zahlreiche Kontakte bestanden. Sie hat unsere Gemeinde mehrfach besucht. 1991 hat sie anlässlich des Kirchentages im Ruhrgebiet beim Brückenschlag der Paul-Schneider-Gemeinden die Kastanie vor dem Paul-Schneider-Haus in Menglinghausen gepflanzt. Dieser Baum erinnert an die Kastanie, die vor dem Zellenfenster des Polizeigefängnisses in Koblenz gestanden hat, wo Paul Schneider 1937 in „Schutzhaft“ gehalten wurde.

 

Auskünfte erteilen:
Pfarrer Matthias Klose-Henrichs, Tel. 0231 / 75 17 17

Ulrich Merkel, Tel. 0231 / 77 11 62

Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft, Hoffmann-von-Fallersleben-Str. 4,
99423 Weimar, Tel. 03643 / 900 155, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

Eine Literaturauswahl:

Aichelin, Albrecht: Paul Schneider, Gütersloh 1994
Foster, Claude R.: Paul Schneider, Holzgerlingen 2001 (amerikanische Originalausgabe 1995)
Rickers, Folkert: Widerstehen in schwerer Zeit – Erinnerung an Paul Schneider, Neukirchen-Vluyn 1997
Schneider, Margarete (Hrsg.): Der Prediger von Buchenwald, Holzgerlingen 1981, z. Z. vergriffen. Neuauflage nach Überarbeitung in Vorb.
Wentorf, Rudolf: Paul Schneider – Der Zeuge von Buchenwald, Gießen 1986
Wentorf, Rudolf: Der Fall des Pfarrers Paul Schneider, Neunkirchen-Vluyn 1989

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Diaserie:
Paul Schneider – Der Prediger von Buchenwald, eine Diaserie mit Begleittext, Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft, Weimar.

„Ihr Massenmörder, ich klage euch an!“ ­- Pfarrer Paul Schneider
Der Vater und wir - Das Erbe des Paul Schneider

Diaserie und Video sind bei Pfarrer Klose-Henrichs auszuleihen.