| Rundbrief Nr. 6 |
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Monteagudo, 4.3.2009 Muy buenas, liebe Leserinnen und Leser! Eine Kleinigkeit im Voraus: bei allen Spendern müsste in letzter Zeit eine Spendenbescheinigung angekommen sein. Wer diese nicht erhalten hat, der melde sich doch bitte bei mir! Wer auch gerne in Besitz einer solchen Spendenbescheinigung sein würde, aber noch nicht zu den Spendern zählt, der kann gerne seine Spende an folgende Adresse richten: Pallottinerinnen/MaZ-Programm, Kto.-Nr: 102183935, BLZ: 750 903 00, LIGA München/Regensburg,Betreff: Lukas + Ihr Name und Adresse Nun bin ich schon seit gut 5 Monaten hier in Bolivien und zurückblickend kann ich nur sagen, dass meine Vorbereitung bei den Pallottinerinnen hervorragend war und ich auch hier im Ausland bei Fragen und Bedenken sehr schnelle Antworten erhalte. Ein Spende ermöglicht nicht nur mir die besondere Erfahrung des Auslandsaufenthalts, sondern auch das Entsenden und Begleiten Freiwilliger in Zukunft. Wie es schon die Spendenbescheinigung andeutet: die Spenden können von der Steuer abgesetzt werden, da die Pallottinnerinnen als gemeinnützige Organisation anerkannt sind. Vielen Dank. Nun aber zum Rundbrief. Vom Karneval im bolivianischen Chaco – Tanz, Chicha und Sortija, dem Beginn des Schuljahres im Internat mit all seinen positiven und negativen Aspekten, sowie der traditionellen Marcada.Was ich hier erlebe…Die gesamte letzte Woche war hier in Monteagudo wieder schulfrei, eine etwas eigenartige Methode, da die Schule ja gerade erst angefangen hatte (naja, also mehr oder weniger, denn einige Schüler und auch Lehrer nehmen sich einfach die Freiheit, erst nach Karneval in der Schule bzw. an ihrer Arbeitsstelle anzutreten…). Aber Karneval wird hier gross gefeiert. Bereits Anfang Februar war es ratsam, jegliche elektronischen Geräte entweder gut geschützt zu transportieren, oder gleich zu Hause zu lassen, denn man war nie sicher vor Wasserbomben, Wasserpistolen oder ganzen Wassereimern. Das ist auf Dauer etwas anstrengend, ist aber nicht weiter schlimm, da man hier aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen sehr schnell trocknet. Die ganze Woche war voller Feiern. Beschreiben möchte ich den letzten Sonntag im Nachbardorf, das Ende des Karnevals. Morgens geht es los – natürlich mit den Pferden. Im Nachbardorf angekommen, beginnt der Tag mit einem intensiven Fussballspiel, danach geht es weiter: zum Tanzen! Doch vorher muss eine Verkleidung her! Typisch bolivianisch hatten wir das immer vor uns her geschoben und nun blieben ca. 10 Minuten um 10 Leute zu verkleiden. Also los zu den alten Kleidern. Jeder sucht sich etwas, einen Maissack, alte Kleider, Perücken… Und tatsächlich klappt es! Kurz darauf gehen alle verkleidet auf die Strasse. Jeder sucht sich einen Partner, ein Taxi fährt mit Musik durch die Gegend und alle tanzen hinterher. Alle haben viel Spass, die Tanzenden, die Zuschauer und die Wasserbomenwerfer. Wo es geht schmiert man sich die Hände mit altem Öl oder Kohle ein, um sich an den Wasserbombenwerfern zu rächen und schlussendlich wird im Fluss im Kreis getanzt und alle werden ins Wasser geschmissen. Wieder getrocknet geht es, für die, die wollen, auf die Pferde: Die Sortija ist angesagt! Auf einer Strasse wird in ca. 2 Metern Höhe ein Seil gespannt. Daran wird eine kleine Metallplatte mit Wäscheklammern befestigt. Diese Metallplatte hat ein kleines Loch in der Mitte. Nun gilt es im Galopp unter diesem Seil durchzureiten und mit einem Stöckchen durch das Loch die Metallplatte aufzuspiessen. Wer das zweimal schaftt, der hat gewonnen und erhält den Preis: 20 Brote, einen 20-Liter-Eimer Chicha (Getränk aus gegorenem Mais) und 10 Liter Mistela (Getränk aus gekochtem Wasser, Zimt, Farbstoff und Alkohol). Ca. 10 Reiter, darunter auch ich, begeben uns also zum Start und reiten einer nach dem anderen los, um unser Glück zu versuchen. Ich hatte bereits am vergangenen Sonntag an einer Sortija teilgenommen und nichts erreicht. Doch dieses Mal: Mein erster Lauf – und es klappt, ich komme mit der Scheibe zurück! Naja, Glückstreffer denke ich, während die anderen (und ich selber auch) rumflachsen und meinen, dass ich mir den Sieg hole. Doch nach dem zweiten Lauf stehe ich plötzlich als Gewinner da und kann den Preis entgegennehmen! Nun habe ich genügend Brot für die nächste Zeit – die Getränke wurden unter allen aufgeteilt und abends bei Musik und Tanz geleert. Meine Stelle…Anfang Februar war ich doch sehr gespannt, auf das, was mich hier in San Isidro erwartet! Was ist aus den Plänen geworden, wie viele Jungs kommen, wie klappt es mit den Verantwortlichen… Jaja, planen in Bolivien… Also das Schuljahr fing an und ich war erstmal zwei Wochen alleine mit den Jungs im Internat. Konnte und musste alles organisieren, das Wecken, das Aufstehen (Zwei doch stark voneinander abweichende Aufgaben…), Hausaufgaben beaufsichtigen, putzen, zur Schule schicken, Essen servieren… Doña Florinda tauchte sporadisch auf um etwas zu kochen, liess mich aber dann wieder alleine. Da war ich doch ganz froh, dass es “nur” 25 Jungs waren, denn das ist schon mehr als genügend, wenn man sich um alles kümmern soll! Am Anfang ging es noch mit Enthusiasmus, doch je länger die Zeit wurde, desto mehr spürte ich die Anstrengung, die grosse Frage, was ist mit den Verantwortlichen??? Wofür werden die bezahlt??? Naja, nach zwei Wochen haben wir uns dann zusammen gesetzt und darüber geredet: Wir haben dich mal alleine gelassen, damit du siehst, was es so alles zu tun gibt und du nun aussuchen kannst, was du gerne machen willst… Aha, Super! Naja, mal wieder schön geplant (immerhin bin ich da immer optimistisch, vielleicht kommt ja doch etwas davon zustande…). Schauen wir mal, es war ja dann schon wieder frei! Das Beste ist jedoch, dass nun Ciprian, ein Student, für ein halbes Jahr im Internat mitlebt und mitarbeitet um ein Praktikum zu absolvieren! So habe ich nun jemanden, der mit mir hier im Internat wohnt und arbeitet. Denn - obwohl anders besprochen - wohnen die Verantwortlichen nicht mehr auf dem Internatsgelände – wie das funktionieren soll, weiss ich selber nicht… Immerhin haben wir bisher schon das Gelände gesäubert und einen kleinen Gemüsegarten angelegt. Nun geht es in den nächsten Wochen weiter mit Säen und vollenden der anderen Arbeiten, sowie einspielen des Tagesrithmus. Bolivien…La Marcada…In der Karnevalswoche finden fast überall, wo es Kühe gibt, die sogenannten Marcadas statt. Sinn dieser Marcada ist es, alle Kühe zu markieren, ihnen ein Zeichen einzubrennen. Dazu gehören diverse Rituale. Bei Musik sitzen zunächst alle zusammen, trinken Chicha und suchen die besten Kokablätter raus. Diese Kokablätter werden dann mit Chicha gemischt und jeder wünscht Glück, Fruchtbarkeit und viel Milch für die Kühe. Daraufhin kommen die Lassowerfer zum Einsatz. Die müssen die Kühe einfangen und zu dritt oder viert wird die Kuh umgeschmissen und festgehalten. Bevor die Kuh dann markiert wird, wird sie mit Chicha und Mistela bespritzt. Daraufhin markiert der Hausherr die Tiere mit dem glühenden Eisen. Sofort wird die Wunde mit Chicha abgekühlt. Daraufhin wird der Kuh die Chicha mit den Kokablättern eingeflöst – als Glücksbringer und Schmerzlinderungsmittel. Zu guter Letzt wird dann ein Band mit Luftballons um den Hals gebunden und die Kuh wird freigelassen. So geht es dann für eine Weile – teils ganze Nachmittage, abhängig von der Anzahl der Kühe – bis alle Kühe markiert wurden. Ein Reiter treibt die Kühe zurück auf die Weide, und jede Kuh wird mit Wasser bespritzt – und alle umstehenden Menschen natürlich auch. Nach diesem Ritual geht es weiter zum Haus der Familie, dort wird ein Essen serviert, meist Pikante de Pollo (Hühnchen mit scharfer Sosse und Kartoffeln). Dort wird dann auch bis spät in die Nacht getanzt und getrunken. Das war die sehr abwechslungsreiche Karnevalswoche – von Feier zu Feier! Und nun kehrt der Alltag hier im Internat wieder ein. Schöne Grüsse aus Monteagudo! Lukas |


