| Rundbrief Nr. 12 |
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Lukas Tometten arbeitet im Freiwilligen Sozialen Jahr im landwirtschaftlichen Internat in Monteagudo, Bolivien. Er berichtet in Rundbriefen. Dies ist Rundbrief Nr. 12.
Santa Cruz, 3.9.2009 Vom “20 de agosto, aniversario de Monteagudo”, Tanzen vor Publikum, der hoffentlich positiven Entwicklung der Zukunftsplanungen San Isidros, vom Abschied von den Jungs, den Freunden und von Monteagudo. ¡Buenas Tardes queridos lectores! Diese ist die letzte Rundmail, die ich nun aus meinem geliebten Bolivien sende, denn morgen geht schon mein Rückflug nach Deutschland…
Was ich hier erlebe…“Mi Monteagudo de mis amores, nunca te olvidaré, por donde vaya te llevaré dentro mi corazón!” (Mein geliebtes Monteagudo, niemals werde ich dich vergessen, wohin auch ich gehe, immer werde ich dich im Herzen tragen; Arnol Rodas) Mein letzter Monat in Monteagudo war der krönende Abschluss meiner schönen Zeit in Bolivien! Es war ein so schöner und erlebnisreicher Monat, dass ich mich jetzt auch immer zu trösten versuche mit: jaja, man soll gehen, wenn es gerade am Schönsten ist. Und wirklich, diesen August zu übertrumpfen scheint mir echt schwierig. Ab 15. August war Monteagudo in Ausnahmezustand. Denn am 15. August fing die Feria an: Grosser Markt mit verschiedensten Artikeln, von Schuhen, über Fernseher bis hin zu frittierten “tripas” (Eingeweide), gab es wirklich alles. Die gesamte Stadt füllte sich mit Menschen aus allen Himmelsrichtungen, die extra für die zwei Wochen der Fiesta angereist kamen! Denn Anlass der Feria war der 20. August: Aniversario (“Geburtstag”) de Monteagudo! Neben der, den ganzen Tag offenen Feria, gab es an vielen Abenden verschiedenste Events: Eleccion de la Miss Monteagudo, Noche Chaqueña, Konzerte, Motorradrennen, Pferderennen, Autorennen, usw. Also ein volles Programm, das kaum zum Ausruhen Zeit lies. Natürlich noch weniger dadurch, dass die normale Arbeit im Internat wie immer weiterlaufen musste. Ein besonderes Erlebnis für mich war sicherlich, dass ich mit meiner Chacarera-“Tanzgruppe” vor grossem Publikum getanzt habe! Natürlich ganz schick in typischer Kleidung des Chacos. Für mich war es echt schön, dass mich die Bolivianer so nett in die Gruppe aufgenommen haben, mir die Schritte und die richtige Haltung beigebracht haben und mich dann auch noch richtig mittanzen haben lassen! Es war sozusagen eine verlängerte Abschiedsparty, bei der jeder nochmal richtig auf seine Kosten gekommen ist und bei der ich viel mit vielen verschiedenen Leuten unternehmen konnte.
Meine Stelle…Endlich!!!!! Es scheint so, als ob sich nun die wirklich Verantwortlichen, also Erzbistum, Seminario, Fundacion Treveris usw. richtig Gedanken machen über das, was sie machen wollen, was aus San Isidro werden soll, wie das Ganze organisiert werden soll. Nicht alles klingt sehr positiv: die Pläne des Seminarios und des Erzbistums sind eigentlich, das Gelände des Internats zu verkaufen. Warum? Weil sie Geld brauchen… für mich echt ernüchternd. Da steht ein Zentrum auf dem Gelände, ein Zentrum, das eigentlich zu den führenden der Region gehören müsste und auch problemlos könnte, ein Zentrum, das den Ärmsten der Umgebung eine Zukunft, eine Chance geben will, ein Zentrum in dem schon so viel Arbeit, Ideen, Geld steckt, und dann kommt ausgerechnet die Kirche und möchte gerade dieses Gelände verkaufen und damit die Zukunft des Internats schwer in Frage stellen… Was natürlich stimmt, ist das San Isidro ein sehr großes Gelände hat, ein Gelände, das vielleicht auch zu groß für das Internat ist. Ich habe die große Hoffnung, dass lediglich ein Teil verkauft wird und ein Teil dem Internat zufällt. Besonders die Fundacion Treveris ist zur Zeit dabei, irgendwelche Lösungen zu suchen, um die Zukunft des Zentrums zu sichern, doch auch Bürgermeister und Gemeinde Monteagudos arbeiten in diese Richtung. Meine große Hoffnung für San Isidro ist, dass sich nun diese Streitigkeiten zwischen den Dachorganisationen erledigen und das Internat im nächsten Jahr mit ganz neuer Besetzung sozusagen einen Neuanfang von Grund auf erfahren kann.
BolivienDer Abschied…Am 31. August um 19:00 war es dann soweit, meine Flota fuhr nach Santa Cruz ab. ¡Chau Monteagudo querido! Schon ein paar Tage zuvor hatte ich meine Fahrkarte gekauft, bin dann auch eine Weile vor Abfahrt in die Flota, habe meine Sachen auf meinen Sitz gestellt und bin wieder raus zum Verabschieden. Meine Freunde waren draußen, ein paar nette Scherze, viele Umarmungen und Dankeschöns für das, was wir erlebt haben, für das was wir gemacht haben. Und dann in die abfahrende Flota steigen – ach, jetzt gemütlich in meinen Sitz, Winken und einfach die Gedanken treiben lassen – schön wärs gewesen, gewunken habe ich schon, doch im Stehen, da mein Sitzplatz freundlicherweise doppelt verkauft wurde… Ni modo, da alles voll war, blieb mir nichts anderes übrig als im Gang mitzufahren…Naja, ich hab es auch noch überstanden! Aber nun zur Abschiedsfeier. Am Samstag hatten wir alle gemeinsam ein schönes Essen in San Isidro: Picante de pollo! Nette Worte, echt langes Beisammensitzen für bolivianische Verhältnisse! In Erinnerungen schwelgend, weißt du noch, als wir zum Fluss sind, als wir Karneval nicht mehr sicher über das Gelände laufen konnten – wegen der vielen Wasserbomben… Ja, die Jungs sind mir echt lieb geworden! So chaotisch sie sind, so sehr sie mich auch auf die Palme gebracht haben, ich habe echt viel mit ihnen erlebt! Es ist echt schade, sie in Monteagudo zurückzulassen! Denn wer weiß, wen ich von ihnen wiedersehe… Es gibt einfach keine Möglichkeit, mit ihnen zu komunizieren. Auch der Abschied von den Freunden aus Monteagudo war sehr herzlich! Tanz die ganze Nacht durch und als krönenden Abschluss dann: Ambrosia – Alkohol und Zucker ins Glas, dann zur Kuh und die Milch direkt ins Glas melken, sehr lecker und sehr typisch! Es ist aber immer noch etwas unwirklich, ich bin noch nicht richtig weg, ich habe es noch nicht realisiert. Ich bin ja weiterhin in Bolivien, kenne auch hier weiterhin Leute, Es ist eher wie ein Kurzurlaub nach Santa Cruz, dass ich morgen im Flieger sitze, kann ich noch nicht realisieren, will ich noch gar nicht an mich ranlassen, auch wenn mir jetzt schon immer wieder Bilder des Jahres durch den Kopf gehen, Erinnerungen an die erste Zeit, an die ersten Tage, an mein Leben im Internat, an mein Leben in Monteagudo. Liebe Grüße, wir sehen uns schon bald!!! Lukas
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